Auswirkungen einer griechischen Staatspleite auf deutsche Wirtschaft

Bei der letzten großen Krise im Jahr 2008 war die deutsche Industrie, allen voran der Maschinenbau, mit am stärksten betroffen. Aktuell zeigt sich glücklicherweise ein anderes Bild: Die Probleme in Griechenland haben keine Auswirkungen auf die deutsche Schlüsselindustrie, die allerdings trotzdem zu kämpfen hat.

Griechischer Markt für deutsche Maschinenbauer kein Kerngeschäft

Der deutsche Maschinenbau ist breit gefächert, und genau das ist eine seiner großen Stärken. Der klassische Maschinenbau mit Fräsen, Werkzeugmacherei und Spindel auf der einen Seite (mehr lesen unter http://sheol.org/wie-funktioniert-eine-spindel/), computergestützte Verfahren wie CAD auf der anderen Seite: Mit dieser Spanne ist die Branche auch in Krisenzeiten gut aufgestellt. Dennoch verzeichnet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) aktuell ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahr und wartet weiter auf den Durchbruch. Angesichts der derzeit alles dominierenden Eurokrise rund um Griechenland liegen Zusammenhänge nahe, erweisen sich jedoch als unwahr. Der Grund ganz einfach: Der griechische Absatzmarkt ist für den deutschen Maschinenbau ein sehr kleiner, sodass die dort entgangenen Gewinne nur einen dezimalen Prozentwert ausmachen.

Worst Case birgt dennoch große Gefahren

euroIm Hinblick auf die gesamtdeutsche Wirtschaft ist das jedoch kein Grund zum Durchatmen. Denn immer noch hängt der Staats-Bankrott des Mittelmeerstaates wie ein Damoklesschwert über der Euro-Zone und klar ist: Sollte Griechenland tatsächlich keine weiteren Hilfen erhalten und Insolvenz anmelden, wären die Folgen für die deutsche Wirtschaft drastisch – und somit auch für den Maschinenbau. Am schwersten wären die Schäden wohl in der Pharmaindustrie, da diese in Griechenland traditionell viele Medikamente absetzt, von denen ein großer Teil allerdings nicht bezahlt wurde. Kommt es zur Staatspleite, müssen die deutschen Pharmaunternehmen die Außenstände in Milliardenhöhe wohl einfach abschreiben.

Das wiederum würde auch den deutschen Endverbraucher betreffen, da die Ausfallrisiken in das Pricing einfließen würden. Deutsche Versicherte müssten also mit erhöhten Arzneimittelpreisen und Kassenbeiträgen rechnen, und das bei gleichzeitiger Verschlechterung des Euro gegenüber dem US-Dollar.

Schleichende Steuererhöhung über das Handwerkswesen?

Weitere Konsequenzen drohen im Handwerk. Wer privat Handwerker beschäftigt, kann den Handwerkerbonus ausnutzen, eine Steuervergünstigung, die aktuell jedoch zur Debatte steht. Die bislang ausgegebenen Hilfspakete haben Milliarden verschlungen und so oder so, ob Grexit oder nicht, müssen mit deutschen Steuergeldern weitere große Summen aufgebracht werden. Diese sollen unter anderem durch den Entfall von Steuervorteilen realisiert werden; besonders die kleinen Rechnungen mit weniger als 300 Euro Arbeitskosten könnten künftig nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden.

Kritiker verurteilen diese Option bereits jetzt als versteckte Steuererhöhung und rein an den Zahlen gemessen lässt sich nur schwer dagegen argumentieren, da ein Großteil der privaten Handwerkerrechnungen unter dem Grenzwert von 300 Euro liegen. Die Regierung ist sich dessen sehr wohl bewusst, auch wenn die vorsichtig formulierte Außendarstellung anders klingt. Ähnlich sieht es übrigens in Österreich aus: Auch dort steht für den Handwerkerbonus in Höhe von zehn Millionen Euro bereit, das deutsche System diente teilweise als Vorbild und da die österreichische Variante zunächst bis Ende 2015 befristet ist, hängt die Fortführung wohl noch stärker vom Geschehen rund um Griechenland und der Position des Euros ab.

Positive Wende in Sicht?

Die genannten Szenarien sind keinesfalls unrealistisch, bislang allerdings noch nicht eingetreten. Und nach derzeitigem Nachrichtenstand könnte die Euro-Zone sogar mit einem blauen Auge davonkommen: Einigen sich die Griechen mit Brüssel auf weitere Hilfen im Gegenzug für umfassende Reformen, stehen zwar weitere Kosten an, diese dürften jedoch als Investition und Stabilisator gesehen werden. Viele Experten sehen diese Lösung als das kleinere Übel im Vergleich zur griechischen Staatspleite mit Euro-Austritt.

Nun sind die kolportierten 86 Milliarden Euro kein Pappenstiel. Diese Summe soll in Form eines Dreijahres-Programms nach Griechenland fließen, wovon 50 Milliarden aus einem Treuhandfonds kommen sollen und von der griechischen Regierung bislang nur zögerlich akzeptiert werden, da der Betrag den Staatsbesitz Griechenlands deutlich übersteige.

In jedem Fall sind sich die Diplomaten beider Seiten wohl einig, dass ein Grexit keine Option mehr ist. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das, einen weiteren Absatzmarkt im Euro-Raum zur Verfügung zu haben, auch wenn dieser in den kommenden Jahren sparsam mit seinen Mitteln umgehen muss. Da außerdem die Hoffnung auf eine langfristige Rückzahlung bleibt, setzen Industrie und Privatverbraucher gleichermaßen darauf, dass der Staat auf Steuererhöhungen verzichtet. Ob es so kommen wird, muss sich in den kommenden Tagen und darüber hinaus in den nächsten fünf bis zehn Jahren zeigen; die neuesten Entwicklungen sind jedenfalls auch für die deutsche Industrie positiv und geben Grund zu vorsichtigem Optimismus.